Montag, 27. Oktober 2014

Aller Anfang ist schwer

"Nur" wenige Wochen ist es her, dass ich diesen Blog aus der Taufe gehoben habe, und nun gibt es "schon" den ersten Beitrag. Der nächste wird hoffentlich nicht so lange auf sich warten lassen und auch ein besseres Foto haben; aber wenn die gebratenen Gnocchi und der warme Gorgonzola ihren köstlichen, verführerischen Duft verströmen und die DSLR ein Stockwerk höher liegt, weil man natürlich wieder einmal vergessen hat alles zurechtzulegen, dann erscheint auch ein verschwommenes Handybild plötzlich wahre Kunst zu sein.

Dieses Gericht ist eines meiner typischen Samstagsessen, sozusagen das raffinierte und fleischlose Pendant zum schwäbischen Sonntagsessen, das für meine badische Oma natürlich aus Fleisch, Sauce, Spätzle (oder wenigstens Knödel) und Gemüse oder Salat besteht; wehe sie hört, dass es am heiliga Sonndich (Hochdeutsch: heiliger Sonntag) beispielsweise "nur" Flammkuchen gegeben hat - und sei er auch mit Roter Bete, feinstem Ziegenkäse und Rucola belegt und durch einen Salat mit Johannisbeer-Dressing begleitet -, dann ist das Gelächter laut. Wenn man dann aber an einem Geburtstag ein drei Gänge Menü zubereitet, dann heißt es: "O Chris, du machsch diar immer so a Ärbet, mach doch oifach en Läberkäs aus em Ofa un en Krombirasalat" (Hochdeutsch: Oh Chris, du machst dir immer so eine Arbeit, mach doch einfach einen Fleischkäse aus dem Ofen und einen Kartoffelsalat). Na ja, so sind die Süddeutschen einfach. Bruddla (Hochdeutsch: Nörgeln) muss man einfach, sonst ist der Tag ein verlorener.

Doch zurück zum Essen. Es stand recht schnell fest, dass es Gnocchi geben müsste, weil noch ein Kräuter - Frischkäse vom Bauernhof des Vertrauens im Kühlschrank stand, der weg musste, und ich mich in Gnocchi einfach reinlegen könnte. Dazu lachten mich beim Einkauf Birnen an und da der Käsewagen auch vorort war, als ich beim wöchentlichen Hallenverkauf des Gemüsehändlers meinen Wochenendbedarf an Gemüse deckte, war die Entscheidung schnell auf die klassische Kombination Gorgonzola-Birne gefallen. Da es keine Sauce geben sollte, welche die Gnocchi in ihrem feinen Geschmack erschlagen hätte, aber das ganze nicht zu trocken geraten durfte, wanderte noch alles für ein leichtes Petersilienpesto in meinen Einkaufskorb. Daraus entstand dann folgendes Gericht:

Frischkäse-Gnocchi mit Gorgonzola, gedünsteter Birne und Petersilenpesto

3 Personen

Gnocchi
  • 5 große mehligkochende Kartoffeln
  • 100 g Ricotta (ich: Kräuterfrischkäse)
  • 180 g Mehl
  • 2 Eier
  • Salz
  • Pfeffer
  • Muskat
Die Kartoffeln mit Schale für ungefähr eine Stunde bei 180° im Backofen weich garen. Danach abkühlen lassen, schälen und durch die Kartoffelpresse geben. Ricotta, Mehl und Eier hinzufügen, mit Salz, etwas Pfeffer und einer Prise Muskat versehen und die Masse zu einem homogenen Teig kneten. Den Teig in drei Teile teilen. Die entstandenen Kugeln auf der bemehlten Arbeitsplatte zu Würsten mit ungefähr 2 cm Durchmesser rollen. Mit dem Messerrücken oder einem Teigschaber 3 cm lange Klößchen abstechen und diese entweder über die Gabel rollen oder mit dem Finger eine Kuhle eindrücken, damit gegebenenfalls die Sauce besser haften bleibt. Ich lagere die Klößchen nun auf einem Backblech, auf das ich zuvor Backpapier gelegt habe, bis ich alle hergestellt habe und lasse sie dann in siedendem Wasser gar ziehen. Das dauert ungefährt 3 Minuten. Ich mag Gnocchi leicht angebraten, weswegen ich immer schon eine Pfanne aufgestellt habe, in die ich die Gnocchi direkt mit einem "Siebschöpfer" befördere, damit nicht zu viel Wasser das Anbraten verzögert und mit dem Fett (Olivenöl, Butter oder eine Mischung aus beidem, angereichert mit Thymian oder Rosmarin) einen Fettbrand produziert. Wenn die Gnocchi fast den gewünschten Bräunungsgrad erreicht haben, die Gemüse- oder Fleischbeigabe (am besten vorgegart) zugeben und je nach Vorliebe mit Sauce, Pesto oder Butter / Olivenöl warm servieren.

Das Rezept für die Gnocchi ist von Gordon Ramsey
         
Birnen
  • 50 ml Apfelsaft
  • 2  Birnen (ich: heimische Butterbirnen)
Birnen schälen, Kerngehäuse entfernen und in gefällige Stücke schneiden. Birnen in den warmen Topf geben, Apfelsaft angießen und bei mittlerer Hitze dünsten, bis sie gar sind, aber nicht zu weich


Petersilienpesto
  • 1 Bund  glatte Petersilie
  • 50 g Pinienkerne, geröstet oder andere Nüsse
  • 30 g Parmesan, gerieben
  • Oliven- oder Rapsöl
  •  Salz
  •  Pfeffer
Aus den angegebenen Zutaten im Mörser oder Mixer ein Pesto herstellen und vorsichtig mit Salz und Pfeffer würzen, da der Parmesan schon würzig ist.


Finishing:
Die Birnen habe ich kurz vor dem Anrichten zu den Gnocchi gegeben. Die Mischung dann auf einem Teller drapiert und in Würfel geschnittenen Gorgonzola vorsichtig untergehoben, dass dieser warm wird und anschmilzt. Zuletzt habe ich das Pesto in Häufchen auf den Gnocchi verteilt. Bon Appetite.


P.S.: Ich verspreche Besserung, wenn es um Bildqualität und -quantität geht, denn Fotos von einzelnen Arbeitsschritten wären gerade bei den Gnocchi wohl sinnvoll gewesen.


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