Donnerstag, 13. November 2014

Martabak Telur - mit Ei gefüllte Teigtaschen


Heute soll ein typisches Snack vorgestellt werden, den es auf Java oft in Warungs zu kaufen gibt. Warungs sind Straßenimbisse, die in Indonesien so zahlreich sind, dass man sich manchmal fragt, ob es überhaupt noch jemanden gibt, der nicht selbst einen Warung hat und deshalb der anderen nicht bedarf; selbst wenn man mitten im Sekundär-Regenwald ist und eigentlich eher einen Affen erwarten würde als Zivilisation, stößt man auf einen Essenswagen oder eine zusammengeschusterte Bretterbude, in der ein Wok auf seinen Einsatz wartet. Und in solchen Warungs kann man Martabak Telur essen. Wikipedia schreibt zu Martabak, dass es eine Art Sandwich sei, welches nicht nur Indonesien zu finden sei, sondern in weiten Teilen Asiens. Ich habe es auf Java so erlebt, dass die süße Variante mit Schokolade und Käse - ja, ihr habt richtig gelesen, die Kombination von Schokolade und nicht zu würzigem Käse ist in Indonesien sehr beliebt und tatsächlich schmeckt das auch super gut, zum Beispiel euch bei Pisang goreng, gebackenen Bananen - tatsächlich in einer Art Toast mit viel Butter gebraten wird, Martabak Telur wird jedoch in einem dünnen Teig in der Art von Frühlingsrollenteig gebacken und hat eine Füllung, die hauptsächlich aus Ei besteht, wie der Name übrigens auch schon verrät, denn "Telur" heißt Ei.

Martabak war mein erstes indonesisches Essen neben Ba(k)mi und Nasi goreng, wobei das, was man hierzulande unter diesem Namen serviert bekommt, auch nicht wirklich indonesisch genannt werden kann. Tatsächlich ist es leider so, dass ich in Deutschland schon viele gute thailändische, vietnamesische und japanische Restaurants gefunden habe, aber noch kein indonesisches; vielleicht liegt es daran, dass ich von meiner Schwiegermutter in spe und ihren Freundinnen verwöhnt bin oder ich die anderen Länder noch nicht besucht habe und deshalb die Küche in ihrer Authentizität nicht beurteilen kann, aber ich kann mir bei einigen Gerichten wie denen des vietnamesischen Noirs in Stuttgart gar nicht vorstellen, dass sie noch besser schmecken könnten. Tatsächlich glaube ich, dass die indonesische Küche es aus unerfindlichen Gründen noch nicht das Deutschland geschafft hat, was eigentlich komisch ist, da sie in Holland als ehemaligem Kolonialherren sehr beliebt ist und sich beispielsweise auch in Dublin zahlreiche indonesische und malaiische Restaurants finden lassen, die zumindest von der Speisenauswahl sehr authentisch sind und über die bekannten Sate, Ba(k)mi und Nasi goreng hinausgehen.


Der träumt bestimmt vom Essen :)

Von der indonesischen Küche zu reden, ist eigentlich sowieso unangemessen. Schon wenn es um die deutsche Küche geht, gibt es einen gewaltigen Unterschied zwischen den verschiedenen Regionen, aber Indonesien hat die fünffache Größe von Deutschland und besteht nicht aus einer zusammenhängenden Fläche, sondern aus über 17 000 Inseln, auf denen sich teilweise vollkommen eigenständige Küchen entwickeln konnten. Indonesien ist ein Land der unendlichen kulinarischen Möglichkeiten. Ich habe bisher nur Bali und Java besucht und allein die javanische Küche unterscheidet sich, ob man nun West-, Mittel- oder Ost-Java ist. Die Familie meiner Freundin stammt aus der Region Bogor / Jakarta und von da stammen auch die meisten meiner Rezepte, außer es sind chinesische oder welche aus meinem balinesischen Kochbuch. Besonders die balinesische Küche hat es mir angetan, obwohl im hinduistischen Bali im Gegensatz zum restlichen Indonesien viel Schwein gegessen wird und das normalerweise nicht meine liebste Fleischsorte ist. Sie ist der thailändischen nicht unähnlich, hat auch curry-ähnliche Gerichte und arbeitet viel mit frischen Kräutern. Doch dazu ein anderes Mal mehr; nun muss endlich das Rezept folgen - wisst ihr überhaupt noch was es geben soll nach dem langen Text? - da aber recht kurz ausfällt, weshalb der Text auch überhaupt so lang ist :P

Martabak Telur
3 Personen
  • 1 Packung Filoteig oder eine Packung des großen Frühlingsrollenteiges
  • 8 Eier
  • 2 Steinchampignons (= eigene Ergänzung, traditionell sind die nicht)
  • 3 Frühlingszwiebeln
  • 1 Zehe Knoblauch
  • ein Spritzer Ketjap Asin (=helle Sojasauce)
  • 1 Prise gemahlenen Koriander
  • Salz und Pfeffer
Dip: Ketjap Asin und (Weißwein-)Essig ungefähr im Verhältnis 2:1

Die Eier in einer mittelgroßen Schüssel verquirlen, Champignons in feine Scheiben schneiden sowie Frühlingszwiebeln in dünne Ringe und unter die Eier mischen. Die Masse mit einem Spritzer Ketjap Asin, einer Prise gemahlenen Koriander und Salz und Pfeffer würzen. Die Eimasse direkt neben den Herd stellen und eine Schöpfkelle bereithalten.


Die Pfanne auf zwei Drittel der Herdleistung erhitzen und etwas neutrales Öl in die Pfanne geben. Ein Blatt Filoteig in die Pfanne legen, eine Schöpfkelle der Eimasse in die Mitte des Teigblattes geben, dann die Ecken nacheinander zur Mitte falten, dabei schnell sein, denn wenn der Teig anfängt zu garen, bricht er beim falten. 


Wenn der Teig und knusprig ist und das Ei an Volumen gewonnen hat, die Tasche auf der anderen Seite braten, bis sie ebenso knusprig ist und das Ei innen vollkommen gestockt. Danach die Tasche mit einem Küchenkrepp entfetten. Den Vorgang mit den anderen Teigblättern wiederholen.

Die Taschen mit einem Dip aus Ketjap Asin und Essig genießen. Bei mir gab es einen Salat mit asiatisch inspiriertem Dressing dazu, das ich aus Mangosenf, etwas Rapsöl, Ketjap Asin, etwas Brühe, Weißweinessig und Öl aus geröstetem Sesam angerührt habe.

Selamat makan!

Am Fotografieren muss ich noch etwas arbeiten


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