Sonntag, 10. Mai 2015

Spargel-Risotto und Rindfleischbällchen mit Minze - oder: Obelix würde die Nase rümpfen


Man darf es ja kaum sagen, aber früher mochte ich gar keinen Spargel und auch heute nur unter gewissen Voraussetzungen. Was ich gerade nicht mag, ist die klassisch-schlichte Kombination mit Sauce Hollandaise und Schinken, egal ob der Spargel jetzt gedämpft, gekocht oder 'gebratschlaucht' ist, ich hab alles probiert, aber der Funke will einfach nicht überspringen. Den weißen Spargel schätze ich heutzutage  sehr wohl aber roh oder gebraten, den grünen mag ich gegrillt oder gebraten sogar sehr gerne. Da insofern also ein Geschmackswandel stattgefunden hat, kann ich mit diesem Rezept bei dem gleichnamigen Event von Jankes* Soulfood teilnehmen. Bei Risotto handelt es sich für mich auch tatsächlich um ein echtes Soulfood und auch Fleischküchle gehören dazu; das passt also wie die Faust auf's Auge - manche werden sich jetzt denken: 'Hat der Herr Germanist einen Aussetzer? Das Sprichwort bedeutet doch, dass etwas gerade nicht zusammenpasst.' Mir war bis vor wenigen Jahren gar nicht bewusst, dass man es mit dieser Äußerungsbedeutung verwenden kann; mir wurde beigebracht, dass man damit trotz der fehlenden inneren Logik ausdrückt, dass etwas passt. Dann meinte irgendwann mein WG-Mitbewohner, dass ich es falsch verwenden würde, und es entstand ein kleinerer Streit. Ein Blick in die Kristallgoogle offenbarte, dass beide Äußerungsbedeutungen in der Umgangssprache existieren. Wir hatten also beide recht.

Wie kriege ich nun wieder die Kurve? Achja: Was auf jeden Fall sehr gut zusammenpasst ist die Kombination von Spargel und Minze. Glaubt ihr nicht? Ich zuerst auch nicht. Ich hatte das in einer Fernsehsendung gehört und letztendlich hat die kulinarische Neugier über die anfängliche Skepsis gesiegt. Jedoch wollte ich das Risiko minimieren, sodass ich die Minze nicht direkt ins Risotto gegeben, sondern die Rindfleischbällchen damit großzügig bedacht habe.

Als ich einem weiteren Freund, der Fleischbällchen für die beste Erfindung der kulinarischen Geschichte hält - damit hat er schon nicht ganz unrecht, denn Fleischküchle liebt doch wirklich fast jeder Omnivor - davon erzählt habe, dass es bei mir solche gegeben hätte, war er erst ganz verzückt, bis ich dann die Minze als weitere Zutat erwähnte. Augenblicklich erklärte er mich für verrückt und verwies auf den Film 'Asterix bei den Briten', in dem Obelix auf die Abartigkeit der Kombination von Wildschwein und Pfefferminzsauce aufmerksam macht. Minze können sich tatsächlich viele nicht in herzhaftem Essen vorstellen, aber wer mit der orientalischen Küche vertraut ist weiß, dass dies sehr gut harmoniert. Spätestens wenn man den perfekten Gabelbissen mit Risotto, einem Spargelköpfchen und einem Stück Minz-Fleischbällchen nimmt, dann ist man überzeugt: Spargel und Minze sind ein Traumpaar. Man kann die Minze jedoch natürlich auch einfach ins Risotto geben und die Fleischbällchen weglassen, schon hat man ein vegetarisches Rezept.


Eine letzte Anmerkung: Ich habe für das Risotto grünen und weißen Spargel gemischt, da ich mir grüne Farbtupfen im Risotto erhofft habe. Beim langsamen Kochen verschwindet die Farbe leider, obwohl die Spargelstückchen genau den richtigen Biss behalten. Deshalb gebe ich im Rezept, wie auch im Original von Cornelia Poletto, nur weiße Spargel an. Natürlich kann man den grünen jedoch auch separat garen und erreicht damit das von mir beabsichtigte Ergebnis.

Spargel-Risotto und Rindfleischbällchen mit Minze
3 Personen

Spargel-Risotto:
500g weißer Spargel
1 Schalotte
150g Risottoreis
50ml Weißwein
40g Butter
40g Parmesan
Olivenöl
Salz und Pfeffer
Zucker
Zitronensaft
optional 3 Stängel Schnittlauch

Minz-Bällchen
1 Brötchen vom Vortag
400g Rinderhack
1 Schalotte
1 Knoblauchzehe
½ TL edelsüßes Paprikapulver
1 TL Senf
1 Ei
10 Blätter Minze
Milch
Semmelbrösel
Salz und Pfeffer

Das Brötchen in Milch einweichen.

Spargel schälen und die holzigen Enden abschneiden. Diese und die Schalen waschen und mit einem Spritzer Zitronensaft und einer Prise Zucker in einem Liter Wasser aufkochen, gleich vom Herd nehmen und zehn Minuten ziehen lassen. Durch ein Sieb gießen und den Fond bei mittlerer Hitze auf dem Herd warmhalten. Für das Risotto die Schalotte in kleine Würfelchen schneiden und in etwas Olivenöl langsam glasig dünsten. Währenddessen die Spargelköpfe abschneiden, die Stangen längs vierteln und die Streifen in Würfel schneiden. Die Würfelchen ebenfalls kurz mitdünsten. Den Reis hinzugeben und kurz mit anschwitzen. Mit dem Weißwein ablöschen und den Alkohol verdampfen lassen. Eine Kelle Spargelfond hinzugeben, umrühren und bei mittlerer Hitze sanft köcheln lassen. Die Prozedur wiederholen, bis der Reis bissfest ist, was ungefähr 15-20 Minuten dauert. Kurz davor die Spargelspitzen in etwas Butter braten und mit einer Prise Zucker, Salz und Pfeffer würzen. Den geriebenen Parmesan und die Butter unter das Risotto heben und sofort servieren, eventuell mit Schnittlauchröllchen garnieren.

Die Schalotte und Knoblauchzehe in kleine Würfelchen schneiden, in etwas Butter glasig dünsten und abkühlen lassen. Die Minzblätter fein hacken. Das Brötchen ausdrücken und zusammen mit den restlichen Zutaten zu einem glatten Teig verkneten.Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Falls der Teig zu feucht ist, noch ein paar Semmelbrösel hinzufügen. Bällchen formen und bei mittlerer Hitze braten. Eventuell im Ofen warmhalten bis das Risotto fertig ist.


Quelle: Cornelia Poletto - ZDF

Das ist er also, mein Beitrag zum Blogevent von Jankes* Soulfood:


Kommentare:

  1. Lieber Chris,
    vielen Dank für deinen Beitrag zum "Geschmackswandel-Event", das klingt sooooo lecker! Die geminzten Fleischbällchen kann ich mir sehr gut zum Spargelrisotto vorstellen. Ich glaube, dass muss ich auch einmal probieren. Hab noch einen schönen Sonntag. Janke

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  2. Coucou Chris
    Tolle Kombination. Spargel geht immer und Minze im Rinderhack liebe ich.
    Viele liebe Grüße
    Claudia

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  3. Ich danke euch beiden für die netten Worte. Es freut mich sehr, positive Rückmeldungen zu bekommen :)

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