Montag, 31. August 2015

Siomai bandung - sundanesisches Streetfood


Lange liegt der letzte Post zurück, doch nun starte ich wieder voll durch und zwar gleich mit einem absoluten Kracher. Ich war im Urlaub - dieses Jahr leider nicht in Indonesien, sondern in Norwegen - und will euch gleich in den selbigen entführen, allerdings sehr wohl nach Indonesien, genauer gesagt nach West-Java. Dort war ich vor zwei Jahren mit meiner Freundin unterwegs und hab an einer chinesischen Zeremonie teilgenommen, die vor einer Hochzeit abgehalten wird und deren Hauptbestandteil der Austausch von Geschenken zwischen den Familien des Brautpaares ist. Natürlich ist ein solches Fest ein super Anlass, um auch in rauen Mengen zu essen - eigentlich braucht man in Indonesien dafür keinen Anlass -, was wir getan haben. Zur Vorspeise gab es nun diese Siomai Bandung. Zwar hatte ich diese Art von Siomai bis vor ein paar Tagen nicht mehr wirklich präsent, doch als ich auf das Blogevent von Claudia von Dinner um Acht aufmerksam geworden bin und natürlich gleich meiner Schwiegermutter davon erzählt habe, meinte diese prompt, dass wir unbedingt Siomai Bandung machen müssten.


Ich war zuerst eher zurückhaltend enthusiastisch, weil ich natürlich nicht mehr wusste, was genau denn diese Siomai ausmacht. Siomai habe ich tatsächlich auch selbst bei mehreren Warungs gesehen und liebe ich in der Ausführung, die ich euch auch schon vorgestellt habe. Die Erdnusssauce kann man als Sambal kacang bezeichnen und deshalb passen sie auf jeden Fall perfekt zum Event, da es um Sambal und Streetfood geht. Einige Alternativen wurden durchgesprochen wie Ba(k)mi tek tek, die ebenso heißen, weil die Straßenhändlern mit ihren Löffeln gegen die Woks klopfen und dann eben genau dieses Geräusch entsteht, letztendlich war die Entscheidung jedoch klar. Denn es spricht noch mehr für dieses Gericht; so braucht man eigentlich keine exotischen Zutaten, sodass es auch jeder nachkochen kann, und ein wichtiger Bestandteil ist Erdnusssauce, die fast jeder liebt und die so einfach zu machen ist.


Ihr habt beim ersten Bild natürlich gleich gesehen, dass das nicht typisch indonesisch aussieht. Ja, ich habe versucht, es filigraner zu gestalten und anzurichten wie man es auch in der modernen Küche tun würde. Auf diesem Bild wird nun der Streetfoodcharakter deutlich, so in der Art wird es auch in Indonesien serviert. Man sucht sich beim Warung aus, was man gerne haben möchte, dann wird es kleingeschnitten und mit Erdnusssauce überschüttet. So ist es - wie viele Gerichte im traditionellen Stil - natürlich schwer ästhetisch einzufangen, was man ja auch schon bei Rendang und Gado-Gado ansatzweise gesehen hat. Aber ich kann euch nur raten, die indonesische Küche trotz solcher Widrigkeiten auszuprobieren, denn sie ist wohl die abwechslungsreichste Küche der ganzen Welt, hat aber immer echten Soulfoodcharakter. Von der indonesischen Küche zu sprechen, ist sowieso etwas schwierig, weil beinahe jede der 17500 Inseln einen anderen Küchenstil hat und chinesische Einflüsse mal mehr und mal weniger prägend sind - ich habe bereits über die Hintergründe der indonesischen Küche hier berichtet. Siomai Bandung ist nun ein chinesisch-sundanesisches Fusiongericht. Sunda ist eine Ethnie, die im westlichen Java beheimatet ist, also auch um Bandung herum.

Das ist in der Nähe von Bandung, der namensgebenden Stadt
Was ist nun also Siomai Bandung genau? Siomai sind chinesische Teigtaschen, die allerdings  nicht unbedingt mit Schweinefleisch gefüllt sein müssen, was das englische Wikipedia so ausspuckt. Dass indonesische Siomai selten mit Schwein gefüllt sind, vor allem wenn sie als Streetfood angeboten werden, ergibt sich von selbst, da die meisten Indonesier als Muslime kein Schwein essen dürfen, sodass ein großer Kundenkreis wegfallen würde. Nun sind diese Siomai aber noch auf eine zweite Weise untypisch, weil die Füllung nicht in Teig eingeschlagen wird, sondern in Gemüse und Tofu die Hülle darstellt. Üblicherweise sind Kohl, Kartoffeln und Bittergurke die gewählten Sorten. Da letztere aber weder leicht zu besorgen ist noch lecker schmeckt, haben wir diese einfach weggelassen, auch wenn die Farbkomposition des Bildes noch etwas aufgehübscht hätte. Die Füllung besteht eigentlich bei allen gefundenen Rezepten aus Garnelen und meistens aus Makrele. Makrele ist hoffnungslos überfischt und ich mag sie auch gar nicht besonders, deshalb haben wir sie durch Kabeljau ersetzt, und da ich den Geschmack nicht zu fischig haben wollte, haben wir in Anlehnung an das bereits erwähnte Siomai-Rezept noch etwas faschierten Hähnchenschenkel in die Füllung gemogelt. Warum heißen diese Siomai nun nach der (Studenten-)Stadt Bandung? - Man weiß es nicht und wer sich darüber wie ich wundert, kann sie auch einfach Siomai kampung nennen, denn diese Alternative existiert tatsächlich und macht auch Sinn, weil das frei übersetzt so viel bedeutet wie: 'Siomai nach Bauernart' und das beschreibt das technisch einfache, aber sehr leckere Gericht einfach perfekt.

Streetfood in Indonesien, hier Sate aus Hühnchen, Kaninchen und Ziege
Siomai Bandung
4 Personen (Vorspeise / Dim Sum)

            Füllung
  • 200g Garnelen
  • 200g Kabeljau-Filet
  • 200g Hähnchenschenkel, entbeint
  • 1 EL Ketjap asin
  • 1 Schalotte
  • 2 Zehen Knoblauch
  • 1 EL Erdnussöl
  • 2 Eiweiß
  • 1 TL Zucker
  • 2 EL Stärke
  • Salz und Pfeffer
Garnelen, Kabeljau und Hähnchenschenkel in kleine Würfel schneiden, Schalotte und Knoblauch grob hacken. Dann nach und nach mit jeweils einem Spritzer Ketjap asin im Blender zu einer Farce pürieren. Diese mit Salz und Pfeffer abschmecken, dazu kann ein kleines Bällchen in der Mikrowelle gegart werden.

             Hülle
  • 6-7 Kartoffeln
  • 6-7 Blatt Weiß- oder Spitzkohl
  • 400g Tofu, en bloc
  • 1 kleine Karotte, geraspelt
1. Kartoffeln schälen, halbieren und mit einem Kugelausstecher so aushöhlen, dass noch ein Rand von 0,5 cm stehen bleibt - das Ausgehöhlte kann man noch zu Kartoffelpüree verarbeiten. Die ausgehöhlten Kartoffelhälften ungefähr 10 min kochen oder dämpfen, dass sie etwas angegart sind.

2. Kohlblätter vorsichtig ablösen (wenn der Strunk der Blätter sehr dick ist, muss von diesem mit einem scharfen Messer etwas vorsichtig abgetragen werden, aber die Blätter sollten ganz bleiben). Blätter kurz kochen, sodass sie biegsam werden, was ungefähr 3-5 Minuten dauert.

3. Den Tofu in gefällige Stücke schneiden, aushöhlen und vorsichtig goldbraun frittieren.

4. Die Füllmasse fest in die Kartoffeln und den Tofu drücken, mit geraspelter Karotte bestreuen sowie kleine Kohlrouladen rollen und mit Bratenschnur binden.

5. Die Siomai 20-30 Minuten beispielsweise im Bambuskorb dämpfen.

             Erdnusssauce
  • 150g Erdnussbutter, crunchy
  • 150g Wasser
  • Saft einer Limette
  • 1 EL Ketjap manis
  • 1 TL Zucker
  • 1 Peperoni, gehackt
  • 1 EL Röstzwiebel
  • Salz und Pfeffer
Alle Zutaten in einem kleinen Topf aufkochen, im Blender mixen und abschmecken.

            Garnitur
  • Röstzwiebeln
  • etwas gehackte Chili
  • Ketjap manis
  • Limette, geviertelt
Siomai mit Erdnusssauce, Röstzwiebel, gehackter Chili, Ketjap manis und Limetten zum nachsäuern servieren.

Selamat makan!


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen